Clever lernen – Tag 1: Wie Jugendliche leichter ins Lernen starten
Anfang September, zehn Uhr morgens. Sieben Jugendliche saßen in einem hellen Raum in Nürnberg und warteten darauf, dass der Workshop begann.
Fünf Jungen und zwei Mädchen, unterschiedlich alt und mit unterschiedlichen Erwartungen. Eines hatten fast alle gemeinsam: Aus eigener Begeisterung waren sie vermutlich nicht gekommen.
Ein Jugendlicher gähnte und warf dabei immer wieder interessierte Blicke auf das Buffet. Ein anderer rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Jemand senkte den Kopf und schien beschlossen zu haben, sich zunächst möglichst wenig zu beteiligen.
Ein paar der letzten Ferienstunden für einen Workshop über Lernen und Schule zu opfern, hatte offenbar nicht bei allen große Vorfreude ausgelöst.
Wenn Jugendliche beim Thema Lernen innerlich aussteigen
Jugendliche wissen meistens sehr genau, was Erwachsene von ihnen erwarten: Sie sollen rechtzeitig anfangen, sich besser konzentrieren, sorgfältiger arbeiten und sich weniger ablenken lassen.
Viele haben solche Hinweise oft gehört. Trotzdem fällt es ihnen schwer, ins Handeln zu kommen.
Das kann unterschiedliche Gründe haben. Manchmal erscheint eine Aufgabe langweilig oder zu umfangreich. Vielleicht fehlt ein klarer erster Schritt. Einige Jugendliche erwarten bereits, dass das Lernen anstrengend oder frustrierend wird. Andere haben noch keine Strategie gefunden, die zu ihnen und zur jeweiligen Aufgabe passt.
Ein Satz wie „Du musst dich einfach motivieren“ hilft dann selten weiter.
Meine erste Aufgabe im Workshop bestand deshalb darin, den Jugendlichen deutlich zu machen, dass meine Rolle eine andere war als die ihrer Eltern oder Lehrkräfte.
Ich wollte ihnen nicht vorschreiben, was sie tun sollten. Ich wollte mit ihnen herausfinden, was ihnen das Anfangen erschwert und welche Wege sie selbst ausprobieren könnten.
Kurz gesagt:
Ich wollte ihnen helfen, sich selbst zu helfen.

Motivation lässt sich nicht einfach verordnen
Niemand bekam eine lange Liste mit guten Ratschlägen. Stattdessen beschäftigten wir uns mit konkreten Situationen aus ihrem Alltag.
Wann fällt es ihnen besonders schwer, anzufangen? Was tun sie, wenn ein ungeliebtes Fach vor ihnen liegt? Welche Gedanken gehen ihnen dabei durch den Kopf? Was hilft manchmal bereits ein wenig?
Nach und nach kamen die ersten Antworten.
Die Jugendlichen erzählten von ihren Erfahrungen, widersprachen einander und entwickelten unterschiedliche Ideen. Was einem half, passte für einen anderen noch lange nicht.
Einer brauchte einen möglichst kleinen ersten Schritt. Ein anderer wollte mit einem Timer arbeiten. Manche fanden es hilfreich, sich zunächst nur für eine überschaubare Zeit festzulegen. Andere wollten eine Aufgabe mit etwas Angenehmem verbinden oder gemeinsam mit jemandem beginnen.
Es entstand kein allgemeines Rezept für Motivation. Die Jugendlichen sammelten verschiedene Möglichkeiten und prüften, welche davon zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Alltag passen könnten.
Aus Zuhören wurde Beteiligung
Mit der Zeit veränderte sich die Stimmung im Raum.
Das Gähnen verschwand. Die Köpfe gingen nach oben. Die Jugendlichen hörten einander zu, brachten eigene Beispiele ein und wetteiferten stellenweise sogar um die besten Ideen.
Auch das Buffet fand inzwischen deutlich mehr Beachtung.
Am Ende waren die Teller leerer, die Arbeitsblätter voller und die Jugendlichen aktiver, als sie den Raum betreten hatten.
Jeder nahm eine kleine Karte mit nach Hause. Darauf stand eine Strategie, die er bis zum zweiten Workshopteil ausprobieren wollte.
Keine zehn Strategien gleichzeitig. Nur eine konkrete Idee für eine konkrete Situation:
Was kann ich tun, wenn ich vor einer Aufgabe sitze und überhaupt keine Lust habe, anzufangen?

Wissen über Lernen kann Handlungsspielraum schaffen
Im Workshop beschäftigten wir uns auch damit, wie Lernen und Üben Veränderungen ermöglichen. Unser Gehirn bleibt lernfähig und passt sich durch Erfahrungen und wiederholte Nutzung an.
Diese Erkenntnis allein löst noch kein Motivationsproblem. Sie kann Jugendlichen jedoch helfen, ihre Schwierigkeiten weniger als unveränderliche Eigenschaft zu betrachten.
Aus „Ich bin einfach schlecht darin“ kann eine neue Frage werden:
Was könnte ich anders machen, damit mir der Einstieg leichter fällt?
Entscheidend ist anschließend die praktische Erprobung. Eine Strategie ist nicht automatisch hilfreich, nur weil sie gut klingt. Die Jugendlichen müssen ausprobieren, ob sie in ihrem Alltag funktioniert.
Beim zweiten Workshopteil würden wir deshalb gemeinsam anschauen:
Was wurde tatsächlich ausprobiert? Was hat geholfen? Was funktionierte nicht? Was müsste verändert werden?
Genau diese Rückmeldung ist wichtig. Sie hilft Jugendlichen, das eigene Lernen genauer zu beobachten und zunehmend selbstständiger zu steuern.
Lernstrategien müssen zum Jugendlichen passen
Im Workshop „Clever lernen“ geht es nicht um Nachhilfe und auch nicht darum, Jugendlichen noch mehr Druck zu machen.
Sie lernen unterschiedliche Strategien kennen und wenden sie direkt an. Dabei beschäftigen wir uns unter anderem mit Motivation, Konzentration, Prüfungsvorbereitung, Texten und Vokabeln.
Das Ziel ist, dass Jugendliche ihr eigenes Lernen besser verstehen und passende Werkzeuge entwickeln, auf die sie im Schulalltag zurückgreifen können.

Der nächste Workshop in Nürnberg
Der nächste zweiteilige Workshop „Clever lernen“ findet am 14. und 21. November 2026 in Nürnberg statt.
Er richtet sich an Jugendliche von 11 bis 14 Jahren. Die Teilnahme an beiden Terminen kostet einschließlich der Kursmaterialien 160 Euro.
Wenn Sie sich fragen, ob der Workshop zu Ihrem Kind passt, finden Sie auf der Veranstaltungsseite weitere Informationen zu den Inhalten und zur Anmeldung.

Mehr Informationen zum Workshop „Clever lernen“
Die beschriebenen Eindrücke stammen aus einem Workshop. Einzelne Details wurden zum Schutz der beteiligten Jugendlichen verändert.